Nicht jede*r ist ein Unternehmertyp. Ist Selbstständigkeit genau deins oder fühlst du dich besser in der Festanstellung? Das ist auch eine Charakterfrage. Welche persönlichen Eigenschaften als Voraussetztung für die Selbstständigkeit wichtig sind, erfährst du in diesem Artikel. Außerdem gehen wir darauf ein, ob gründen trotz der Corona-Lage eine Option sein kann.

Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit?

1. In deinem Fach macht dir niemand was vor

Du brennst für Webdesign oder züchtest seit Jahren Zimmerpflanzen? Du hast in deiner Karriere mit so viel sonderbaren Menschen gearbeitet, dass du ein Coaching-Business aufmachen kannst? Wunderbar! Dann hast du gute Chancen, deine Fachkompetenz in bare Münze umzuwandeln. Wie umfassend deine Erfahrung ist, spielt dabei gar keine so große Rolle. Manche machen sich erst am Ende einer jahrelangen Karriere selbstständig. Andere verabschieden sich schon früh vom 9-to-5-Job. So oder so: Dazulernen und Wissen vertiefen ist Pflicht.

 

2. Du bist ok mit Stress

Das soll auf keinen Fall bedeuten, dass du dich überarbeiten musst. Stell dich aber darauf ein, dass sich Zeiten mit viel Workload mit entspannteren Momenten abwechseln. Und gerade zu Beginn deiner Selbstständigkeit wirst du oft mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Das Gute ist, dass du Stressmanagement und Resilienz erlernen kannst. So kannst du auch als Selbstständige*r eine gute Work-Life-Balance finden.

 

3. Du findest neue Wege

Deine Freund*innen halten dich für ein bisschen verrückt. Du beschreitest generell lieber neue Wege, als schon eingetretenen Pfaden zu folgen. Damit hast du gute Voraussetzungen zur Unternehmerperson. In deiner Selbstständigkeit wirst du immer wieder auf Probleme und Herausforderungen stoßen. Dann sind Kreativität und neue Lösungsansätze gefragt. Wenn du bereit bist, eigene Ideen zu entwickeln, wird dir vieles leichter fallen. Damit kommen wir auch gleich zum nächsten Punkt ...

 

4. Du kannst pokern, aber kennst deine Grenzen

Denn neue Wege zu gehen, bedeutet ein gewisses Risiko einzugehen. Genau dafür solltest du bereit sein. Du wirst Erfolge feiern, aber auch Rückschläge einstecken müssen. Die Verantwortung dafür kann dir niemand abnehmen. Gleichzeitig musst du Risiken realistisch einschätzen und die Notbremse ziehen, wenn bei einer Entscheidung zu viel auf dem Spiel steht. Es geht um eine gesunde Mischung aus Risikobereitschaft und Verantwortung.

 

5. Du kannst mit Menschen

Als Selbstständige*r bist du der oder die eigene Chef*in. Du denkst, du hast jetzt alle Freiheiten? Leider nein! An die Stelle von schwierigen Kolleg*innen treten jetzt anspruchsvolle Kund*innen und Geschäftspartner*innen. Wenn du gerne zum Telefon greifst, geschickt verhandeln kannst und generell kommunikationsfähig bist, wirst du dich mit deinem eigenen Business wohlfühlen. Keine Sorge: Das heißt nicht, dass du extrovertiert sein musst.

 

6. Du kannst dich selbst motivieren

In der Selbstständigkeit bist du auf dich gestellt – in guten wie in schlechten Zeiten. Niemand  wird dich aus dem Schlamassel ziehen, wenn dein Unternehmen in einer schlechten Phase ist. Der Gedanke daran bereitet dir nur mittlere Kopfschmerzen? Und du traust dir zu, dich auch in schlechten Zeiten selbst zu motivieren? Dann hast du definitiv das Unternehmer*innen-Gen.

 

Niemand ist perfekt

Natürlich musst du nicht alle Talente mitbringen, um als Selbstständige*r erfolgreich zu sein. Für eine Holzwerkstatt brauchst du wahrscheinlich weniger Führungsqualitäten, und selbstständige IT-Expert*innen müssen nicht ständig Verkaufstalent beweisen. Frage dich einfach, ob du die Fähigkeiten mitbringst, die in deiner Branche wichtig sind.

Pro-Tipp: Sieh dich nach anderen Freelancer*innen um – zusammen könnt ihre eure Stärken und Schwächen ideal ergänzen.

 

Selbstständig machen auch in schwierigen Zeiten?

Vielleicht fragst du dich jetzt: Wie kann jemand ernsthaft den Weg in die Selbstständigkeit empfehlen – in Zeiten, in denen tausende kleine Unternehmen um ihre Existenz ringen? Und ja, mit diesem Einwand hast du absolut Recht. Niemand kann im Moment abschätzen, wie sich die Bedingungen für Selbstständigkeit während Corona entwickeln werden. Vielleicht kennst du persönlich Menschen, die gerade ihren Job verloren haben.

Aber: Selbstständigkeit kann auch ein Weg aus der Krise sein. Krisen waren schon immer ein Motor für Umbrüche und haben in der Vergangenheit schon zu Gründerwellen geführt. Es gibt vorsichtige Anzeichen, dass genau das jetzt wieder passieren könnte. Im dritten Quartal 2020 wurden in Deutschland auffallend viele Unternehmen gegründet, vor allem durch Solo-Selbstständige, darauf deuten aktuelle Statistiken hin.

 

Test: Unternehmer*in – ja oder nein?

Mit dieser Checkliste findest du heraus, ob du die Voraussetzungen für die Selbstständigkeit mibringst. An wie viele Punkte kannst du den Haken dran machen?

  • Du hast Fachwissen auf deinem Gebiet (5 Punkte)
  • Du kannst zeitweise mit hoher Belastung umgehen (5 Punkte)
  • Du entwickelst gerne neue Lösungen und Ideen (5 Punkte)
  • Rückschläge bringen dich nicht aus dem Konzept (5 Punkte)
  • Du zeigst Eigeninitiative und kannst dich selbst motivieren (5 Punkte)
  • Du kannst deine Ansichten gegenüber anderen vertreten
    (5 Punkte)
  • Du kommst mit wechselndem Einkommen klar (5 Punkte)
  • Du hast Ausdauer, an einer Sache zu arbeiten (5 Punkte)

Die Auswertung:

unter 25 Punkte: Hmm, überleg dir das nochmal. Bist du dir sicher, dass du langfristig mit einer selbstständigen Tätigkeit glücklich wirst?

25–30 Punkte: Du bringst schon vieles mit, was für die Selbstständigkeit wichtig ist. Frage dich kritisch: Wie wichtig sind die fehlenden Skills in dem Bereich, in dem du arbeiten willst? Kannst du an ihnen arbeiten oder andere Lösungen finden? 

35–40 Punkte: Glückwunsch! Wenn jemand sich selbstständig machen sollte, dann bist du es.

Voraussetzungen zur Selbstständigkeit erfüllt –wie geht es weiter?

Eine Geschäftsidee finden ist der erste Schritt. Um deine Idee auf Herz und Nieren zu prüfen, solltest du einen Businessplan erstellen. Bist du schon weiter und kurz vor der Gründung, solltest du dich damit beschäftigen, ob das Finanzamt deine Tätigkeit als Freiberufler oder Gewerbe einstuft.