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„Es gibt zu wenig weibliche Vorbilder“ – Interview mit Marina Friess-Henze

Gründerstorys · 20.11.19 10:24 · Hanna Meiners

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Marina Friess-Henze ist die Inhaberin von Feminess, einem der größten Weiterbildungsanbieter für Frauen in Europa. Sie sagt: „Ich möchte selbstständige Frauen oder Frauen, die eine Selbstständigkeit anstreben, auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Business unterstützen“. 

Marina, eine Unternehmerin aus Leidenschaft, begann ihre Karriere zunächst mit der Vermarktung von Trainern in der Weiterbildungsbranche. Der Wunsch “etwas eigenes reinzubringen” inspirierte sie vor 14 Jahren, ihr eigenes Unternehmen zu starten: “Mir liegt dieses Thema, dass Frauen ihre PS auf die Straße kriegen, besonders am Herzen.” 

 

7 Fragen an Unternehmerin Marina Friess-Henze 

 

1. Wie entstand die Idee zu Feminess?

Erst mal war die Idee, etwas Eigenes zu machen und eigene Seminare zu geben. Aber ich wusste zunächst noch nicht, wer eigentlich meine Zielgruppe ist. Dieser Prozess hat dann noch ein halbes bis Dreivierteljahr gedauert.

Ich bin dann zu einem Tony Robbins Seminar geflogen und da habe ich viele andere wiedergetroffen, an die ich schon Seminare vermittelt hatte. Besonders Frauen sind auf mich zugekommen und ich habe gemerkt, dass es da einen Bedarf gibt. Zu der Zeit, also im Jahr 2012, gab es noch kaum ein Angebot für Frauen.

Frauen sind eine sehr dankbare Zielgruppe. Ich glaube sie genießen es sehr, wenn sie jemanden haben, an dem sie sich orientieren können. Aber es gibt einfach zu wenig weibliche Vorbilder. Viele Frauen wissen nicht, wie sie sichtbar werden oder wollen es auch nicht. Und so fehlen uns Role Models für unser Business.

 

2. Mit was für Herausforderungen hattest du in deiner Selbstständigkeit zu kämpfen?

Es gibt ganz unterschiedliche Herausforderungen: Es geht schon los mit der Frage: Wie bekomme ich neue Kunden und wie gehe ich raus auf den Markt? Wie präsentiere ich? Wie kommuniziere ich über mein Produkt bzw. meine Dienstleistungen?

Hinzu kommen administrative Dinge, etwa die Frage nach dem richtigen Geschäftskonto – bis hin zu dem Thema Glaubenssätze und limitierenden Faktoren, die man im Kopf hat.

Die Selbstständigkeit ist einfach so komplex. Und ich habe immer wieder gemerkt, dass es deshalb wirklich wichtig ist, gute Berater an der Seite zu haben.

 

3. Gab es in deiner Karriere auch einen Tiefpunkt?

Das erste Unternehmen habe ich nach 2-3 Jahren Selbstständigkeit gegen die Wand gefahren.  

Es hat erst ganz gut funktioniert und ich habe gut verdient, aber ich habe nie groß Geld auf die Seite gelegt oder gespart, ich hatte nie wirklich gelernt, wie man mit Geld umgeht. Ich habe das Geld aus dem Fenster geschmissen und gedacht: Das wird schon irgendwie gehen -  und musste dann von jetzt auf gleich die Firma dichtmachen.

Zusätzlich meldete sich auch das Finanzamt und ich war erst einmal pleite. Das war eine schwierige Zeit, in der ich mich auch gefragt habe: Mache ich jetzt überhaupt weiter oder gehe ich zurück ins Angestelltenverhältnis?

 

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4. Was war das bisher größte Learning aus den Jahren als Unternehmerin?

Das größte Learning ist immer wieder, dass wir Frauen unter unserem Potential leben!

Ich, zum Beispiel, mache bereits viele Weiterbildungen und Coachings, und ich lebe immer noch unter meinem Potential. Und ich glaube, dass wir uns oft gar nicht vorstellen, wie viel noch möglich ist! 

Was für mich ein wichtiges Learning war: Dass man Menschen um sich herum hat – und wenn es nur eine Person ist –  die in der Lage sind, groß zu denken. Das sind dann diejenigen, die dich aus deiner eigenen Welt oder „Bubble“ herausholen und dir zeigen: Da gibt es noch viel mehr! Meine jetzige Geschäftspartnerin Monica Deters ist so eine Person.  

Wenn du hingegen jemand bist, der immer in den Wolken schwebt, brauchst du vielleicht einen ausgleichenden Pol, der dich auf dem Boden der Tatsachen hält. Oder umgekehrt, der dir zeigt: Hey da oben gibt es auch noch was. Das ist sehr wertvoll.

 

5. Und welche typischen Herausforderungen beobachtest du bei Gründerinnen?

Viele haben mit sich selbst zu kämpfen, mit Selbstzweifeln, Ängsten, Blockaden. Ich glaube Frauen hängen oft in der Vergleichsfalle fest. Vergleichen ist ja an sich nichts Schlimmes, aber wenn man immer nur deprimiert ist und denkt „Ich bekomme ja gar nichts hin“, dann ist das schwierig.

Und dann ist da das Thema: Gefühlt in Schönheit sterben wollen. Das heißt, dass Frauen so in ihrem Perfektionismus drin stecken, dass sie nicht in die Umsetzung kommen.

Da ist die eigene Persönlichkeit, die eine Rolle spielt. Man braucht auch eine bestimmte Persönlichkeit, um erfolgreich zu sein. Dass man Entscheidungen treffen kann, klar ist in seiner Kommunikation und auch mal durchhalten kann.  

Zu guter Letzt muss man sich natürlich auch mal hinsetzen und einen richtigen Businessplan machen, um sein Business zu strukturieren. Gerade hier sehe ich oft ein Problem: das Thema Struktur und strategisches Vorgehen erlebe ich als Herausforderung.

 

6. Gibt es einen Finanztipp, den du besonders wichtig findest?

Ich würde sagen: Zuerst kommt Geldmanagement an sich. 

Ich habe für alles getrennte Konten: ein Tagesgeldkonto für Überschuss, ein Konto für das Finanzamt, ein Sparkonto usw.

Wenn man alles Geld auf einem Konto hat, gibt man es aus oder verliert den Überblick. Es geht darum, Geld Aufmerksamkeit und eine gewisse Wertschätzung zu schenken, damit es auch kommen kann.

Ich mache jeden Tag Geldmanagement. Ich schaue auf alle Konten und prüfe alles. Das dauert nur 5 Minuten pro Tag, aber ich habe einen Überblick: Was habe ich auf dem Konto, was kommt rein, was kommen für Ausgaben auf mich zu, wie viel kann ich ggf. investieren?

Dadurch kann ich schnelle Entscheidungen treffen.

Einmal die Woche immer am Freitag mache ich Überweisungen. Ich mache das nicht nur zwischendurch, sondern regelmäßig zu festen Zeiten. Wenn man es immer nur zwischendurch macht nach dem Motto „da mal bissl was, und da mal bissl was“, verliert man ebenfalls schnell den Überblick.

Das war ein wichtiges Learning aus dem Crash: Ich muss meine Finanzen im Blick haben.

 

7. Was möchtest du unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Es ist wichtig, dass man auch ein kleines Business so führt, als würde man einen Konzern aufbauen. Also von vornherein Strukturen aufbauen, auch wenn die zunächst nur von einer Person umgesetzt werden. Wenn Strukturen schon stehen, kann man später leichter andere Leute ins Unternehmen bringen. Außerdem sollte man sich von Anfang an täglich Zeit für seine Finanzen nehmen und in die eigene Entwicklung investieren. 

 

Marinas Tipps für Gründer – 3 Dinge, die du tun kannst, um dein Business zum Laufen zu bringen

 

1. Schreibe einen Businessplan

Gerade zum Start finde ich es wichtig, einen Businessplan zu machen, auch wenn man keine Förderung beantragen möchte. Es geht einfach darum, sich intensiv mit seinem Business auseinanderzusetzen. Ich erlebe oft, dass Frauen Probleme bekommen, wenn ein Businessplan fehlt und sie keine Strategie entwickelt haben. Der Businessplan muss stehen, ob man eine Förderung will oder nicht!

 

2. Frage dich: Wer hat jetzt schon die Zielgruppe, die ich erreichen möchte?

Ich würde mir überlegen, wer schon meine Zielgruppe hat und dann versuchen, Kooperationen mit diesen Personen einzugehen. Es geht viel schneller, wenn man sich zusammenschließt und gemeinsam an Zielen arbeitet.

 

3. Massiv rausgehen und handeln

Erfolg ist immer ein Resultat deiner Einstellung, deiner Glaubenssätze, aber auch deines Handelns. Überlege dir: Was ist wirklich einkommensproduktiv und was ist nur „Chichi“?  Womit habe ich Erfolg? Womit nicht?

Hier beobachte ich oft Inkonsequenz. Es ist wichtig, sich einzugestehen, dass einige Sachen nicht funktionieren und diese dann auch sein zu lassen. Das hat nichts mit deinen Fähigkeiten zu tun!

Vielen Dank für das Interview!

 

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